Initialzündung der neuen Montagsdemonstrationen

Magdeburg gilt als Geburtsort der neuen Montagsdemonstrationen. Begründer soll der arbeitslose Bürokaufmann Andreas Erholdt aus Magdeburg gewesen sein, der die ersten Montagsdemos in der ostdeutschen Stadt mit sozialpolitischem Akzent koordinierte. 
Auch diese Bewegung wurde zur Massenbewegung: Bereits am 30. August 2004 gingen in 200 deutschen Städten über 200.000 Menschen gegen die Sozialagenda 2010 auf die Straße. 

3. Aktuelle Geschehnisse: Proteste gegen Stuttgart 21



Besondere Virulenz bekommt das politische Instrument von Montagsdemonstrationen durch aktuelle Geschehnisse wie die Auseinandersetzungen um den Bahnhof Stuttgart 21. Engagierte Bürger nutzen die Plattform der Montagsdemos, um auf ihren Unmut über das milliardenschwere Projekt und ihre Gegnerschaft aufmerksam zu machen. Die jüngsten Übergriffe der Ordnungskräfte haben hierbei für heftige Schlagzeilen gesorgt, zeigen aber auch, dass es beiden Seiten bitterernst ist.

Auf der Website der Montagsdemo gegen Stuttgart 21 ist jedoch unverdrossen zu lesen: "Stuttgart 21 kommt nicht, wenn weiterhin tausende BürgerInnen auf die Straße gehen. Der geplante Ausbau der zweiten Flughafenstart und -landebahn auf den Fildern wurde maßgeblich durch Demonstrationen verhindert. Kommen Sie bitte daher zahlreich zu den Montagsdemos gegen Stuttgart 21." Weiter wird auf die bisherigen Erfolge verwiesen: Das Projekt Stuttgart 21 sei durch die anhaltenden Proteste finanziell bereits erheblich angeschlagen und in den Augen vieler Menschen unglaubwürdig geworden.

Die Proteste gegen Stuttgart 21 bilden daher eine wichtige aktuelle Form der traditionellen Montagsdemos neben der "Friedlichen Revolution" 1989 und neben den Hartz IV-Protesten seit 2004. Aktuell sieht sich auch die baden-württembergische Landesregierung zum Einlenken gezwungen und hat einen Vermittler eingeschaltet - Heiner Geißler.

Zusammensetzung der Montagsdemos gegen Sozialkahlschlag


Auch heute noch ist die Zusammensetzung der Teilnehmer der Montagsdemos sehr heterogen:

Sie rekrutieren sich aus sozialen Bewegungen, Parteimitgliedern, Parteilosen und aufgebrachten Bürgern, die allerdings bundesweit koordiniert werden.

Eine klare inhaltliche Abgrenzung gibt es zu Faschisten und faschistoidem Gedankengut, wobei es sich aber häufig als nicht einfach herausstellte, das rechte Spektrum rigoros bei den Demonstrationen auszuschließen.

Dieses Argument brachten auch die Gewerkschaftsspitzen vor, um eine Teilnahme an den neuen Montagsdemos zu verhindern.