Initialzündung der neuen Montagsdemonstrationen

Magdeburg gilt als Geburtsort der neuen Montagsdemonstrationen. Begründer soll der arbeitslose Bürokaufmann Andreas Erholdt aus Magdeburg gewesen sein, der die ersten Montagsdemos in der ostdeutschen Stadt mit sozialpolitischem Akzent koordinierte. 
Auch diese Bewegung wurde zur Massenbewegung: Bereits am 30. August 2004 gingen in 200 deutschen Städten über 200.000 Menschen gegen die Sozialagenda 2010 auf die Straße. 


Ein Flächenbrand entzündet sich


Nachdem die Demonstrationen auch nach Dresden und Plauen infolge von Zugdurchfahrten mit Menschen, die über die Prager Botschaft aus der DDR ausreisen wollten, übergegriffen hatten, wurden die Montagsdemos zu Massendemonstrationen. Der 9. Oktober 1989 in Leipzig markiert hierbei ein besonderes Datum, denn in Leipzig nahmen erstmals 70.000 Menschen teil: Davor konnte auch die Obrigkeit nicht die Augen verschließen. Doch die Sicherheitskräfte der DDR griffen nicht ein. Warum sich die Staatsmacht zurückzog, ist immer noch ungeklärt. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze: Niemand wollte für ein mögliches Blutbad verantwortlich sein, lautet zum Beispiel eine Deutung. Doch die Bewegung setzte sich fort: Am 16. Oktober waren es bereits 120.000 Demonstranten, am 23. Oktober 320.000. Die Obrigkeit sah sich dagegen machtlos.

Als im März 1990 die ersten freien Volkskammerwahlen vonstattengingen, endeten die Montagsdemos in der ehemaligen DDR, da die Demonstranten ihr Ziel erreicht hatten.

Die Teilnehmer der Montagsdemos: Wer ging auf die Straße?
Da sich die Montagsdemos zu Massenveranstaltungen entwickelten, liegt es auf der Hand, dass die Zusammensetzung der Demonstranten sehr heterogen war. Sie setzten sich zusammen aus SED-Kritiker, Bürgern, die sich vom "real existierenden Sozialismus" betrogen sahen, neu entstehenden politischen Gruppierungen wie dem "Neuen Forum", der SDP (Sozialdemokratische Partei) und dem Bündnis 90, das später eine Vereinigung mit den bundesdeutschen Grünen einging. In jedem Falle entwickelten sich die Demos zu einem Flächenbrand. Die Initialzündung erfolgte aber durch einen Zusammenschluss von oppositionellen Kirchenleuten und sich formierenden linken Widerstandsbewegungen, die die Bedürfnisse und Wünsche der Masse formulierten: Reisefreiheit und Demokratie.

Zusammensetzung der Montagsdemos gegen Sozialkahlschlag


Auch heute noch ist die Zusammensetzung der Teilnehmer der Montagsdemos sehr heterogen:

Sie rekrutieren sich aus sozialen Bewegungen, Parteimitgliedern, Parteilosen und aufgebrachten Bürgern, die allerdings bundesweit koordiniert werden.

Eine klare inhaltliche Abgrenzung gibt es zu Faschisten und faschistoidem Gedankengut, wobei es sich aber häufig als nicht einfach herausstellte, das rechte Spektrum rigoros bei den Demonstrationen auszuschließen.

Dieses Argument brachten auch die Gewerkschaftsspitzen vor, um eine Teilnahme an den neuen Montagsdemos zu verhindern.