Initialzündung der neuen Montagsdemonstrationen

Magdeburg gilt als Geburtsort der neuen Montagsdemonstrationen. Begründer soll der arbeitslose Bürokaufmann Andreas Erholdt aus Magdeburg gewesen sein, der die ersten Montagsdemos in der ostdeutschen Stadt mit sozialpolitischem Akzent koordinierte. 
Auch diese Bewegung wurde zur Massenbewegung: Bereits am 30. August 2004 gingen in 200 deutschen Städten über 200.000 Menschen gegen die Sozialagenda 2010 auf die Straße. 

Die Keimzelle: Friedensgebete in der Nikolaikirche in Leipzig


Bereits seit Mitte der 80er Jahre waren unter der Regie der beiden Pfarrer Christoph Wonneberger und Christian Führer unter anderem in der evangelischen Nikolaikirche in Leipzig sogenannte Friedensgebete praktiziert worden. Dass die Montagsdemos hier ihren Ursprung nahmen, hängt mit der politischen Orientierung der beiden Pfarrer zusammen: Diese arbeiteten mit oppositionellen Gruppen zusammen.

Die engagierten Bürgerrechtlerinnen Gesine Oltmanns und Katrin Hattenhauer waren die ersten, die die Friedensgebete offen nach außen trugen: Sie verteilten nach dem Friedensgebet am 4. September 1989 auf dem Nikolaikirchhof Transparente und trugen selbst ein Plakat mit dem Titel "Für ein offenes Land mit freien Menschen", statt wie üblich nach Hause zu gehen. Ihre Hauptforderung: Freiheit und vor allem Reisefreiheit. Nach dem Versuch der staatlichen Obrigkeit, die Demonstration aufzulösen, ertönten laute Rufe "Stasi raus!"

Vor allem im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR - die gleichzeitig deren Todesdatum markieren sollten - ging die Staatsführung rigoros gegen Demonstranten vor. Viele wurden verhaftet und willkürlich gefangen gehalten.

Zusammensetzung der Montagsdemos gegen Sozialkahlschlag


Auch heute noch ist die Zusammensetzung der Teilnehmer der Montagsdemos sehr heterogen:

Sie rekrutieren sich aus sozialen Bewegungen, Parteimitgliedern, Parteilosen und aufgebrachten Bürgern, die allerdings bundesweit koordiniert werden.

Eine klare inhaltliche Abgrenzung gibt es zu Faschisten und faschistoidem Gedankengut, wobei es sich aber häufig als nicht einfach herausstellte, das rechte Spektrum rigoros bei den Demonstrationen auszuschließen.

Dieses Argument brachten auch die Gewerkschaftsspitzen vor, um eine Teilnahme an den neuen Montagsdemos zu verhindern.