Initialzündung der neuen Montagsdemonstrationen

Magdeburg gilt als Geburtsort der neuen Montagsdemonstrationen. Begründer soll der arbeitslose Bürokaufmann Andreas Erholdt aus Magdeburg gewesen sein, der die ersten Montagsdemos in der ostdeutschen Stadt mit sozialpolitischem Akzent koordinierte. 
Auch diese Bewegung wurde zur Massenbewegung: Bereits am 30. August 2004 gingen in 200 deutschen Städten über 200.000 Menschen gegen die Sozialagenda 2010 auf die Straße. 

Die Tradition der Montagsdemos lebt heute noch fort.



2. Die Weiterführung der Montagsdemos 2004: Neues oder eine Neuauflage?
"Hartz IV muss weg": Vor allem die Veränderungen in der Sozialpolitik unter Kanzler Gerhard Schröder, die unter dem Namen Agenda 2010 in die Annalen eingingen, riefen seit dem Jahr 2004 Aktivisten auf den Plan, die meist links orientiert sind und sich in Montagsdemos organisieren. Ab August 2004 lebte die Tradition der Montagsdemos wieder auf, wobei umstritten war, ob die Bezeichnung, die in Abhängigkeit zur "Friedlichen Revolution" in der DDR 1989 entstand, übernommen werden darf. Ihre konkreten inhaltlichen Vorläufer haben die heutigen Montagsdemos in den Demonstrationen gegen Sozialabbau 1997/98 in Göttingen. Sie sind klar sozialpolitisch akzentuiert.

Auf alle Fälle wurden in der Tradition der Montagsdemos auf einer Konferenz in Hannover am 16. Oktober 2004 Grundsätze verabschiedet und am 2. Juli 2005 erweitert. Die Grundsätze lehnen sich dabei inhaltlich an die Magdeburger Montagsdemonstrationen an (siehe unten). Der Initialgedanke ist dabei, dass bundesweitem Sozialabbau auch bundesweit - also organisiert - entgegengetreten werden muss. "Wir sind das Volk" ist der Slogan, der versinnbildlichen soll, dass die Regierung eines Volkes nicht gegen dieses Volk gerichtet sein darf - und dass dieses im Falle von Machtmissbrauch die Regierung absetzen darf. Obwohl manche Bürgerrechtler der ehemaligen DDR darin eine Missbrauch des Traditionsnamens sehen (Wolf Biermann: "Etikettenschwindel"), begrüßen andere die neuen Forderungen als ebenso berechtigt und akzeptieren die moderne Verwendung des Begriffs.

Zusammensetzung der Montagsdemos gegen Sozialkahlschlag


Auch heute noch ist die Zusammensetzung der Teilnehmer der Montagsdemos sehr heterogen:

Sie rekrutieren sich aus sozialen Bewegungen, Parteimitgliedern, Parteilosen und aufgebrachten Bürgern, die allerdings bundesweit koordiniert werden.

Eine klare inhaltliche Abgrenzung gibt es zu Faschisten und faschistoidem Gedankengut, wobei es sich aber häufig als nicht einfach herausstellte, das rechte Spektrum rigoros bei den Demonstrationen auszuschließen.

Dieses Argument brachten auch die Gewerkschaftsspitzen vor, um eine Teilnahme an den neuen Montagsdemos zu verhindern.